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Großkanzlei oder kleine Boutique – was soll es sein?

Die Wahl des richtigen Arbeitgebers ist nicht leicht. Das gilt insbesondere für Rechtsanwälte, die sich eine Kanzlei aussuchen. Ein bedeutendes Kriterium bei der Auswahl ist die Kanzleigröße, denn damit gehen wichtige Eigenarten des Arbeitgebers einher.

Vor der Suche nach konkreten Arbeitgebern sollte sich jeder Anwalt fragen, welcher Kanzleityp am ehesten zu ihm passt. Spezialisierte Boutique, mittelständische Kanzlei oder international ausgerichtete Großkanzlei? Oder doch vielleicht lieber der eigene Boss sein?

Legt man seinen Fokus auf ein bestimmtes Rechtsgebiet, eine ausgewogene Work-Life-Balance oder sind nur eine schnelle Karriere und ein hohes Gehalt wirklich wichtig? Die Wahl des Arbeitgebers sollte gut überlegt sein.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die häufigsten Kanzleitypen und ihre Besonderheiten vor. Er soll Ihnen als Hilfestellung dienen, damit Sie eine Kanzlei finden, die wirklich zu Ihnen passt.

  • Großkanzlei
  • Mittelständische Kanzlei
  • Boutique Kanzlei
  • Allgemeinkanzlei
  • Einzelkanzlei

Der Riese unter den Kanzleien – die Großkanzlei

Der Name verrät es bereits: Großkanzleien sind groß. Und das in vielerlei Hinsicht. Das Konzept der großen Sozietäten ist es, möglichst viele komplexe Mandate mit hohem Volumen zu akquirieren.

Auch in Sachen Mitarbeiter- und Berufsträgerzahl sind sie Kanzleien der Superlative. Großkanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer und CMS Hasche Sigle beschäftigen um die 500 Berufsträger.

Bei der Frage, ab wann man von einer Großkanzlei spricht, scheiden sich die Geister. Die meisten bekannten Großkanzleien beschäftigen jedoch über 100 Berufsträger.

Um eine so große Kanzlei am Laufen zu halten, wird einiges an Organisation und Zuarbeit benötigt. Daher werden in einer Großkanzlei neben den Berufsträgern auch viele Backoffice-Mitarbeiter beschäftigt.

Der rechtliche Fokus der Großkanzleien liegt auf dem Wirtschaftsrecht, weshalb man sie auch Wirtschaftskanzleien nennt. Innerhalb dieses Rechtsgebiets wird versucht, einen möglichst großen Teil abzudecken.

Eine hochwertige Rechtsberatung über den ganzen Bereich des Wirtschaftsrechts erreichen die Großkanzleien dank einer effektiven Arbeitsteilung. Jeder Mitarbeiter beschäftigt sich nur mit einem sehr kleinen Teilgebiet des Wirtschaftsrechts.

Dadurch sind die Spezialisierungsmöglichkeiten für Anwälte in Großkanzleien sehr gut. Rechtsanwälte mit einem Faible für einen bestimmten Teil des Wirtschaftsrechts sind daher bestens für die Arbeit in einer solchen Kanzlei geeignet.

Großkanzleien zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonderen Wert auf Internationalität legen. Häufig haben sie ihre Standorte auf mehreren Kontinenten verteilt und betreuen Mandanten aus vielen verschiedenen Ländern.

Zu den Mandanten der Großkanzleien gehören erfolgreiche Unternehmen, Institutionen und Organisationen.

Rechtsanwälte in Großkanzleien tragen viel Verantwortung, da die Tätigkeiten für die Mandanten häufig mit weitreichenden Konsequenzen und viel Geld verbunden sind.

Vorteile

Der bekannteste Vorteil einer Karriere in der Großkanzlei ist der Verdienst. Großkanzleien sind dafür bekannt, ihren Rechtsanwälten Gehälter weit über dem Marktdurchschnitt zu zahlen. Es ist inzwischen üblich, dass die Einstiegsgehälter der First-Year-Associates über 100.000€ liegen.

Wer komplexe Fragestellungen in großen Teams bearbeiten möchte, ist bei einer Großkanzlei richtig. Um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, ist die Teamarbeit hier besonders wichtig.

Hinzu kommen die internen und externen Weiterbildungsmöglichkeiten großer Sozietäten. Darum wissen auch andere Kanzleien. Daher zieht es gerade junge Rechtsanwälte zu den Großkanzleien, um den eigenen Lebenslauf noch attraktiver zu gestalten.

Doch nicht nur die Jobchancen bei anderen Kanzleien steigen nach der Tätigkeit bei einer Großkanzlei. Das große internationale Mandantennetzwerk gibt ausreichend Gelegenheit für Networking und Chancen auf zukünftige Arbeitsstellen in der Wirtschaft, z.B. als Syndikusanwalt oder Wirtschaftsjurist.

Mit diesem Netzwerk gehen natürlich auch außerordentlich spannende Mandate einher, bei denen es um hohe Volumina und wichtige Entscheidungen gehen kann.

Die zahlreichen Standorte rund um die Welt bieten die Möglichkeit, andere Länder und Rechtssysteme in Form von Geschäftsreisen kennenzulernen. Nicht zu vergessen die Möglichkeit eines Secondments im Ausland.

Nachteile

Ein Nachteil der Arbeit bei einer Großkanzlei ist die starke Arbeitsbelastung.

Um mit dem Arbeitspensum durchzukommen und die abgesteckten Ziele zu erreichen, gibt es Druck von oben. Zusätzlich konkurrieren viele Rechtsanwälte um den Aufstieg innerhalb der Kanzlei.

Um dieser Situation gerecht zu werden, müssen Rechtsanwälte viele Wochenarbeitsstunden ableisten. Dafür wird meistens auch am Wochenende gearbeitet. In einer Großkanzlei wird selten weniger als 60 bis 80 Stunden pro Woche gearbeitet.

Die Einstellungsvoraussetzungen in einer Großkanzlei sind sehr hoch. Der Legende nach hat man hier ohne Doppelprädikat, LL.M. und Promotion keine Chance. Diese Annahme geht jedoch an der heutigen Realität vorbei. Sicherlich bevorzugen Großkanzleien die besten Abgänger des Jahrgangs.

Doch wer sich mit seinen Staatsexamina in der Nähe des Prädikats befindet, sich gut verkaufen und dann auch noch einige Zusatzqualifikationen aufweisen kann, hat gute Chancen bei den großen Sozietäten.

Aufgrund der internationalen und wirtschaftlichen Ausrichtung der Großkanzleien ist ein LL.M. in Verbindung mit einem Auslandsaufenthalt äußerst empfehlenswert.

Zu Beginn der Karriere wird man meistens mit Hintergrundarbeiten wie der Recherche beauftragt, hat wenig unmittelbare Mandatsarbeit und ist damit nicht auf direkte Weise in die Fälle involviert. Daher hat man am Anfang auch häufig sehr wenig bis gar kein Mandantenkontakt.

Doch auch im weiteren Verlauf der Karriere ist die Arbeit in einer Großkanzlei weder besonders persönlich noch mit der familiären Atmosphäre in einer kleinen Sozietät vergleichbar. Man ist nun einmal ein kleines Rädchen in einer großen Maschine.

Mehr zu Großkanzleien im Artikel Karriere in der Großkanzlei.

Nicht klein, nicht groß, sondern mittendrin – die mittelständische Kanzlei

Die mittelständische Kanzlei ist in vielerlei Hinsicht ein Kompromiss zwischen Boutique und Großkanzlei.

Mittelständische Kanzleien haben weder ein besonders kleines, noch ein besonders großes Team. Üblicherweise zählt man Kanzleien mit 20 bis 50 Berufsträgern zu diesem Typ. Nach oben ist die Grenze zwischen mittelständischer und großer Sozietät fließend.

Aufgrund der Größe der Sozietät sind einige nicht-anwaltliche Mitarbeiter (z.B. in der Verwaltung) vonnöten, damit die Prozesse in der Kanzlei reibungslos ablaufen und die Rechtsanwälte sich auf das Wesentliche konzentrieren können.

Im Gegensatz zur Boutique und Großkanzlei sind mittelständische Kanzleien in der Regel Allrounder. Sie nehmen Mandate in zahlreichen Rechtsgebieten an. Im Vergleich sind sie breiter aufgestellt und nicht so spezialisiert.

Die Mandanten der mittelständischen Kanzleien sind meistens kleine bis mittelständische Unternehmen und Privatpersonen.

Vorteile

In einer mittelständischen Kanzlei kann man davon ausgehen, direkt mit Mandatsarbeit betreut zu werden.

Hier ist man jedoch nicht wie in der Großkanzlei in großen Gruppen mit einem Mandat beschäftigt, sondern vielmehr in kleinen Teams tätig. Diese Art der Arbeit ist besonders für Personen geeignet, die gerne in kleinen Gruppen an einem Strang ziehen.

Daraus folgt auch, dass der Mandantenkontakt ziemlich direkt ist. Er ist nicht mehr so persönlich wie in einer kleinen Sozietät, aber noch wesentlich direkter, als es häufig bei Großkanzleien der Fall ist.

Mittelständische Kanzleien haben den Ruf, weniger strenge formale Kriterien an ihre Bewerber zu stellen. Ob sich dies in der Realität bewahrheitet, hängt von der entsprechenden Sozietät ab.

Bezüglich der Karrierechancen sind mittelständische Kanzleien besonders interessant. Die hierarchische Struktur ist im Vergleich zu kleinen Kanzleien komplexer, aber der Konkurrenzdruck nicht so hoch wie in der Großkanzlei. Hier gibt es gute Chancen auf eine Partnerschaft bei entsprechender Leistung.

Das Arbeitspensum ist für gewöhnlich geringer als in einer Großkanzlei, was die mittelständische Kanzlei auch aus Sicht der Work-Life-Balance sehr interessant macht.

Aufgrund des breiten Angebots von Rechtsgebieten, ist die mittelständische Kanzlei wahrscheinlich der abwechslungsreichste Kanzleityp, zumindest aus inhaltlicher Sicht. Rechtsanwälte, die gerne in verschiedenen Rechtsbereichen arbeiten, werden hier am ehesten glücklich.

Die überschaubare Anzahl der Mitarbeiter macht die Zusammenarbeit in einer solchen Kanzlei sehr viel persönlicher, als es zum Beispiel in einer Großkanzlei der Fall wäre. Auch der geringere Konkurrenzdruck wirkt sich positiv auf das Arbeitsklima aus.

Nachteile

Mittelständische Kanzleien konzentrieren sich zumeist auf den deutschen Markt und sind nicht international ausgerichtet. Daher können sie nicht mit den typischen Anreizen und Vorteilen einer international orientierten Kanzlei glänzen.

Auch beim Thema Networking ist die mittelständische Kanzlei etwas schlechter als die großen Sozietäten aufgestellt, da eher mittelständische Unternehmen vertreten werden.

Die Gehälter in mittelständischen Kanzleien sind meistens geringer als in Großkanzleien und besonders erfolgreichen Kanzleiboutiquen. Auch hier mag es sicherlich Ausnahmen geben.

Hochspezialisiert – die Boutique Kanzlei

Die Boutique (frz.: Geschäft) ist das Sinnbild für diesen Kanzleityp. Es handelt sich um eine meist kleine Kanzlei, die von Experten in ihrem Gebiet betrieben wird. Ähnlich wie bei einem Fachgeschäft weiß man, dass man an der richtigen Stelle für sein Problem ist.

Boutique Kanzleien zeichnen sich durch einen hohen Spezialisierungsgrad aus. Sie bieten keine Rechtsberatung in zahllosen Rechtsgebieten an, sondern fokussieren sich vielmehr auf ein oder auch nur den Teil eines Rechtsgebiets.

Mit dem Grad der Spezialisierung geht zumeist auch die Qualität der Rechtsberatung einher. Wer sich auf ein Rechtsgebiet konzentriert, kann sich viel besser in dieses hineinarbeiten und am Ende mit einer außerordentlichen Expertise glänzen.

Kanzleiboutiquen sind daher weder altmodisch noch modern. Spezialisierung ist ein zeitloses Konzept, welches sich stets bewährt hat, solang es eine Nachfrage für die Nische der Kanzlei gibt.

In Kanzleiboutiquen sind in der Regel kleine Teams mit einer Handvoll Rechtsanwälten tätig. Hinzu kommen häufig ein paar Assistenzkräfte, welche die Rechtsanwälte unterstützen. Es gibt jedoch auch Boutiquen mit einer weitaus größeren Anzahl an Berufsträgern. Wichtig ist das Kriterium der Spezialisierung.

Die Mandanten der Boutique Kanzleien reichen von Privatpersonen bis hin zu mittelständischen Unternehmen. Doch auch große Unternehmen nehmen die Leistungen hochkarätiger Boutiquen gerne in Kauf, wenn ihre Expertise den Anforderungen entspricht.

Vorteile

Durch die häufig kleine Anzahl der beschäftigten Rechtsanwälte ist man in einer Boutique Kanzlei weitaus umfänglicher in die Mandatsarbeit eingebunden. Meistens arbeitet man allein oder in einem kleinen Team eigenverantwortlich von Beginn bis zum Schluss an einem Mandat.

Das hat den Vorteil, dass man alle Seiten der Mandatsarbeit kennenlernt und einen Einblick in jede Stufe der Prozesse erhält. Das ist nicht nur spannend, sondern bietet auch eine ausgezeichnete Lernmöglichkeit für Rechtsanwälte. Hinzu kommt die Möglichkeit, innerhalb der Kanzlei mehr Verantwortung zu tragen.

Das hohe Maß an Spezialisierung erlaubt es dem Rechtsanwalt, persönlichen Interessen und Stärken Ausdruck zu verleihen. Wer eine Vorliebe für ein bestimmtes Rechtsgebiet hat, kann diese in einer Boutique ausleben.

Die notwendigen Einstiegsqualifikationen sind in Boutiquen nicht immer geringer als in größeren Sozietäten. Hier gilt jedoch die Besonderheit, dass man seine Chancen bei den hochspezialisierten Kanzleien mit Vorkenntnissen aus Praktika und dem Referendariat erheblich verbessern kann.

Die Mandantenbetreuung ist von einer engen Beziehung zum Kunden geprägt. Betreut man das Mandat allein, ist man auch der einzige Ansprechpartner und hat damit ein ganz anderes Verhältnis zum Mandanten, als es zum Beispiel in einer Großkanzlei der Fall wäre.

In kleinen Boutiquen existiert noch eine persönliche Beziehung zwischen Mandanten und Anwalt, welche in der Welt der großen Unternehmen und Sozietäten schon lange verloren gegangen ist.

Auch innerhalb des Teams ist die zwischenmenschliche Ebene überschaubarer als beispielsweise in einer Großkanzlei. Die flache Hierarchie in Boutiquen macht die Kommunikation und damit auch die Arbeit in der Kanzlei unkomplizierter und angenehmer.

Es herrscht in der Regel ein familiäres Arbeitsklima und die Entscheidungswege sind kurz.

Im Vergleich zu größeren Sozietäten werden in Boutiquen im Schnitt weitaus weniger Wochenarbeitsstunden abgeleistet. Außerdem gibt es in der Regel weniger Anwesenheitspflicht im Büro und es kann auch mal von zu Hause gearbeitet werden.

Legt man seinen Fokus auf das Familienleben oder betreibt zeitintensive Hobbys, sind diese Faktoren besonders attraktiv. In Sachen Work-Life-Balance kann die Boutique Kanzlei ganz klar punkten.

Nicht ganz so eindeutig sieht es bei den Karrieremöglichkeiten aus.

Einerseits sind die Chancen auf eine Partnerschaft in Kanzleiboutiquen im Vergleich zu Großkanzleien wesentlich besser. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Konkurrenzdruck weitaus geringer ist.

Nachteile

Andererseits ist das Karrieremodell in einer kleinen Sozietät nicht besonders aufregend. Associate oder Partner – viel Spielraum gibt es hier nicht.

Hinzu kommen die geringfügigen Weiterbildungsmöglichkeiten. Während Großkanzleien dafür bekannt sind, ihren Mitarbeitern umfangreiche Ausbildungsgelegenheiten zu bieten, ist dies in Boutique Kanzleien nur sehr selten der Fall.

Das ist auch beim Beginn der Karriere relevant. Die Anwaltskollegen einer Boutique haben nicht viel Zeit, den Junganwalt an die Hand zu nehmen. Daher müssen viele Kompetenzen selbst erworben werden. Ein hohes Maß an Selbstständigkeit ist hier sicherlich hilfreich.

Außerdem fallen die Gehälter in Boutiquen tendenziell geringerer aus als in großen Sozietäten. Das liegt mitunter an den geringeren Wochenarbeitsstunden und der Größe der Mandate, die bearbeitet werden.

Es gibt jedoch auch Boutiquen, die mit den Gehältern der Großkanzleien mithalten können. Der Spielraum bei den Boutiquegehältern ist sehr groß.

Darüber hinaus werden aufgrund der geringen internationalen Ausrichtung der Boutiquen auch keine internationalen Mandanten vertreten und es gibt kaum Möglichkeiten, innerhalb der Berufsausübung zu reisen und andere Kulturen und Rechtssysteme kennenzulernen.

Kanzleiboutiquen sind häufig auch in Vororten und kleineren Städten zu finden. Das hat zwar den Vorteil geringerer Lebenshaltungskosten, bringt aber auch alle negativen Aspekte mit sich, wegen welchen die meisten Menschen in den urbanen Raum ziehen und das provinzielle Leben meiden.

Von allem etwas – die Allgemeinkanzlei

Wie der Name bereits erahnen lässt, spezialisiert sich die Allgemeinkanzlei nicht auf ein Rechtsgebiet. Es wird vielmehr versucht, eine möglichst große Zahl von Rechtsgebieten abzudecken. Hier ist der Generalist an der richtigen Adresse.

Bei einer Allgemeinkanzlei bestehen die Teams meist nur aus einer kleinen Anzahl von Rechtsanwälten und Assistenten. Häufig sind diese Kanzleien Familienbetriebe oder organisieren sich in Bürogemeinschaften.

Durch das geringe Maß an Spezialisierung versuchen Allgemeinkanzleien vor allem Privatpersonen als Mandanten zu erreichen und diese in all ihren Belangen zu beraten und zu vertreten. Es handelt sich hierbei um die ganzheitlichste Tätigkeit des Rechtsanwalts.

Eine Eigenschaft der Allgemeinkanzlei ist daher ein sehr enger und persönlicher Mandantenkontakt, welcher auf viele Anwälte einen gewissen Charme ausübt.

Diese Art der Kanzlei wird von vielen als altmodisches Geschäftsmodell angesehen. Der meistens in Provinzen angesiedelte und belächelnd mit „Feld-, Wald- und Wiesenkanzlei“ betitelte Kanzleityp wird im städtischen Raum mehr und mehr von spezialisierten Konkurrenten vom Spielbrett gedrängt.

Als Einzelkämpfer in der Einzelkanzlei

Im starken Kontrast zur Großkanzlei steht die anwaltliche Tätigkeit in einer Einzelkanzlei. Als Einzelanwalt arbeitet man größtenteils allein und hat allenfalls eine Assistenzkraft beschäftigt.

Diese Form der Arbeit ist unter den Kanzleitypen mit Sicherheit die persönlichste in Bezug zum Mandantenkontakt. Der Einzelanwalt tritt als Einzelkämpfer auf, der mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die Mandanten der Einzelkanzlei bestehen überwiegende aus kleinen Unternehmen und Privatpersonen. Gerade für diese Mandanten ist der Einzelanwalt durch sein Auftreten wesentlich erreichbarer und damit auch attraktiver als eine größere Sozietät.

Was den Spezialisierungsgrad angeht, lassen sich bei der Einzelkanzlei kaum Aussagen treffen. Es hängt von den Vorlieben des jeweiligen Rechtsanwalts ab, ob er eher als Spezialist oder Generalist tätig sein will.

Die Arbeit als Einzelanwalt hat viele Vorteile, wie beispielsweise das Arbeiten in eigener Regie. Wie, was, wo gearbeitet wird, entscheidet der Anwalt selbst. Dieses Maß an Flexibilität wird man bei keinem anderen Kanzleityp finden.

Aus finanzieller Sicht handelt es sich bei der Einzelkanzlei um ein zweischneidiges Schwert. Einerseits müssen die erwirtschafteten Gewinne nicht geteilt werden. Selbiges gilt allerdings auch für etwaige Verluste. Falls es mal nicht so gut läuft, ist niemand da, der mit seinem Umsatz einspringen kann.

Außerdem ist der Einzelanwalt Träger der gesamten Verantwortung. Alle Entscheidungen müssen allein gefällt werden. Damit kann viel Druck einhergehen.

Wohin soll es nun gehen?

Welcher Kanzleityp der richtige ist, hängt ganz von der Persönlichkeit, den Interessen und der individuellen Lebensweise des Anwalts ab.

Gerade zu Beginn der Karriere ist die Entscheidung nicht immer leicht. In der Großkanzlei wird man durch entsprechende Fortbildungen etwas mehr an die Hand genommen, während man in einer kleineren Sozietät oft ins kalte Wasser springen muss.

Wer sich in einem bestimmten Bereich spezialisieren will, sollte eine Boutique oder Großkanzlei wählen. Beide Kanzleitypen bieten die Gelegenheit sich tief in ein Rechtsgebiet einzuarbeiten. Generalisten sind am besten in mittelständischen Kanzleien oder Allgemeinkanzleien aufgehoben.

Aus Sicht der Karrieremöglichkeiten ist es nicht leicht eine Entscheidung zu fällen. Wer es darauf abgesehen hat, möglichst schnell Partner zu werden, ist mit einer kleineren Kanzlei gut beraten. Doch auch die hervorragenden Weiterbildungsmöglichkeiten der Großkanzleien sind eine gute Lernmöglichkeit.

Der Workload ist in Großkanzleien am größten. Dieser Kanzleityp ist in Sachen Work-Life-Balance der klare Verlierer. Die beste Möglichkeit seine Arbeitsweise an den jeweiligen Lebensabschnitt anzupassen, bietet die Selbstständigkeit in Form einer Einzelkanzlei.

Es ist sehr schwer, generelle Aussagen über das Gehalt zu treffen. Großkanzleien zahlen zwar üblicherweise mehr, aber wer erfolgreich arbeitet und als Partner in einer kleinen oder mittelgroßen Sozietät tätig ist, kann auch sehr gut verdienen. Tendenziell wächst das Gehalt jedoch mit der Anzahl der Mitarbeiter.

Wer sich weder für ein bestimmtes Rechtsgebiet noch bei der Frage nach der Kanzleigröße entscheiden kann, ist mit einer mittelständischen Kanzlei am besten beraten.

Bei der Entscheidung, welcher Kanzleityp zu einem passt, sollte man sich Zeit nehmen. Häufig bedarf es der Erfahrung in der Praxis. Falls man merkt, dass es doch nicht so ganz passt, sollte man sich nicht davor scheuen, den Kurs zu korrigieren und eine anderen Kanzleityp auszuprobieren.

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